Kalender von und für Geflohene

Friederike Niemeyer gestaltet mit Flüchtlingskindern und -jugendlichen in Kirchdorf-Süd einen Kalender zugunsten der Flüchtlinge.

Kalender mit Rezepten und Geschichten, illustriert und aufgeschrieben von den Kindern, die in der ehemaligen Schule am Karl-Arnold-Ring untergebracht sind.

1. Dezember: 

Er ist fertig! und HIER können Sie den Kalender erwerben:

Rudolf Steiner Buchhandlung für Anthroposophie GmbH

Rothenbaumchaussee 103
U1 Hallerstraße, 20148 Hamburg

Öffnungszeiten
Montag-Freitag: 9:00 bis 18:30 Uhr
Mittwoch: 9:00 bis 19:00 Uhr
Samstag: 10:00 bis 16:00 Uhr

  • Alle Mitgestalter des Kalenders haben 100 % ehrenamtlich gearbeitet.
  • Die Spende von 20,- € geht komplett, ohne Abzüge, an die ZEA in der ehemaligen Schule am Karl-Arnold-Ring.
  • Aufgrund der tollen Resonanz kann es sein, dass der Kalender bald ausverkauft sein wird.
  • Wir danken Ihnen für Ihr Verständnis, dass wir keine Spendenbescheinigungen ausstellen und ausschließlich Barzahlung möglich ist.

20. November: 

Geschafft, der Kalender ist im Druck!

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16. November: 

Nachdem ich in der letzten Woche noch einmal mit den Kindern und Jugendlichen Collagen gemacht, gestempelt und geschrieben habe, wird der Kalender so langsam ein echter Augenschmaus. Ein Glück, denn die Geschichten sind dies wahrhaftig nicht.

Zum Beispiel sprach ich mit dem 17-jährigen Mohammed aus Syrien, der alleine über die Türkei geflüchtet ist: „…. Eines Tages kam mein Bruder nicht nach Hause, meine Mutter plagte ein komisches Gefühl, das sich mit einem schrecklichen Anruf bestätigte: Mein geliebter Bruder, Student im 7 Semester wurde zusammen mit sieben Kommilitonen von einer Bombe getroffen als sie zum Mittagsgebet gingen.
Meine Mutter schrie nur noch, mein Vater erstarrte. Ich war wie von Sinnen, rannte heraus, wollte beten, schreien, habe gegen Wände getreten und mit den Fäusten gegen alles Mögliche eingeschlagen….Die Beerdigung wird normalerweise vom ältesten Bruder geleitet, aber der war tot und wurde von uns zu Grabe getragen. Nur mein Vater und ich durften in sein Gesicht sehen…. Das Leben nahm nicht mehr normale Züge an, da bin gegangen, allein, zu Fuß bis in die Türkei, dort habe ich ein Jahr gelebt, aber ohne Arbeit gibt es auch dort keine Zukunft. Ich bin mit einem Schlauchboot, das für 30 Personen ausgelegt war mit über 40 Menschen nach Griechenland gefahren. Alle wussten, dass es die letzte Reise kann. Man nennt sie die Reise des Todes. Ich habe Glück gehabt.“

Ich könnte jedesmal weder heulen, wenn ich an Mohammed denke.

Seine Lieblingsspeisen kommen übrigens vom Grill – wie auch die meiner Jungs.

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Danke für die Illustration meiner Kollegin Alexandra Posen, die mich im Atelier tatkräftig unterstützt!

 

05. November: 

Die ersten Entwürfen entstehen…

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Ich lese mir die Rezepte durch, spüre dabei den Geschmack von Kardamom und Zimt, Zitrone und Olivenöl. Das ist schön.

Keine zu feuchten Augen zu bekommen, wenn ich mich in die Erzählungen der Kinder vertiefe. Das ist schwer.

Der Kalender wird schön, aber keine leichte Kost. Ein bisschen nachdenklich, ein bisschen dekorativ – wer harte Facts möchte:

Arbeitstitel: Der Geschmack von Heimat
Din A3 Kalender mit 12 Seiten, Titel und Rückpappe, Spiralbindung mit Aufhänger. Auflage ca. 300 Stk, Verkaufspreis geplant: 20,00 €

Die Resonanz auf der gestrigen Versammlung des Vereins

http://www.fluechtlingshilfe-harvestehude.de/

war toll und viele Bestellungen gab es auch schon! Dankeschön.

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04. November: 

„… Im Juni 2015 kamen in unsere  ZEA-Schule  zwei Brüder aus Tschetschenien: Bislan und Buvaisar. Sie hatten mit ihren  Eltern in einem kleinen Haus am Waldesrand in …(Ortsangabe) gelebt, waren zur Schule und in die Moschee gegangen, hatten im Schulchor gesungen, Fußball gespielt, hatten moslemische und nationale Feste gefeiert. Zu solchen Gelegenheiten bereitete die Mutter ihre Leibspeise, Manti, gefüllte Teigtaschen….“

18. Oktober: 

Majse El-Kadiri, 13 Jahre, erzählt von dem Jasmin von Damaskus:

„Unser Haus in Damaskus war stets erfüllt von dem Duft von Jasmin….Mama lächelt, ihre Hände liegen plötzlich still. Dann bricht sie einen kleinen Jasminzweig ab, voller weißer, duftender Blüten.

„Sieh, wie zauberhaft!“ sagt sie und steckt ihn mir, noch immer lächelnd, hinters Ohr.

Meine Mutter ist das Licht meiner Augen…. „

Eine Kalenderseite alleine scheint auch dieser Geschichte (aufgeschrieben von Kathrin Brockmann) nicht gerecht werden zu können … ich fange trotzdem mal an:

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06. Oktober: 

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Friederike Niemeyer:

„Die Kinder kommen aus allen Regionen dieser Welt: Polen, Lettland, Tschetschenien, Bulgarien, Mazedonien, Kroatien, Serbien, dem Kosovo, Albanien, der Türkei, Griechenland, Spanien, Portugal, Italien, Ecuador, Honduras und Togo und Ägypten, Afghanistan, England, Ghana … einige sprechen schon ein ganz bisschen Deutsch, andere können nur ein paar Wörter – aber alle strahlen beim Wort: SCHOKOCREME.

Die gibt es manchmal zum Nachtisch im ehemaligen Schulgebäude am Karl-Arnold-Ring 11 in Kirchdorf-Süd.

Die frühere Schule soll Platz für 300 Menschen bieten, auf dem Hof stehen weiße Zelte und große Sanitär-Container. In den meisten Klassenräumen leben Familien, in einigen bekommen die Kinder Unterricht.

Sie haben grade „Ich geh´mit meiner Laterne…“  gelernt. – Musik verbindet, Kreativität auch. Und so basteln wir zusammen aus alten Zeitschriften, Stickern und Papieren: Es wird gestanzt, geklebt, geschnitten und gestempelt. Schnell vergehen die Stunden und die Kinder hängen voller Stolz ihre Werke an die Tafel.

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Jetzt werden noch Geschichten gesammelt, Rezepte aufgeschrieben und schöne Fotos der Kinder beim Kochen gemacht. Alles zusammen wird ein Kalender von und für die Flüchtlingskinder … bunt wird er sicher:

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